Erst vor zwei Monaten machte in Karlsruhe ein79-jähriger Mercedes-Fahrer Schlagzeilen, der mit seinem Auto „durch den Albtalbahnhof“ fuhr.(Bericht auf ka-news)

Was auf den ersten Blick zum Schmunzeln verleitet, entpuppt sich auf den zweiten Blick als durchaus immer häufiger auftretendes Phänomen im Straßenverkehr.

Der Vorstand der Jungen Union (JU) Ettlingen spricht sich daher für die Einführung eines „Senioren TÜVs“ beim Führerschein ab 70 Jahren aus.

Im Abstand von fünf Jahren soll die Fahrtauglichkeit im Straßenverkehr nachgewiesen werden müssen. Entgegen der Auffassung von Kritikern, dass es sich beim „Senioren TÜV“ um eine reine altersdiskriminierende Maßnahme handelt, der es angesichts der Unfallstatistiken älterer Menschen nicht bedürfe, ist die JU-Ettlingen der Meinung, dass durch die Einführung eines solchen Testsystems die Sicherheit des Straßenverkehrs nachhaltig gewährleistet und sogar gesteigert werden kann.

Zwar verursachen über 65-Jährige statistisch gesehen nur etwa 10 Prozent aller Unfälle mit Verletzten oder Getöteten, obwohl sie rund 20 Prozent der Bevölkerung stellen. Jedoch darf dieser statistische Wert nicht zu der Schlussfolgerung verleiten, dass ältere Menschen die sicheren Fahrer seien: schließlich liegt die Fahrleistung älterer Menschen deutlich unter der jüngerer Verkehrsteilnehmer. Ferner darf nicht unberücksichtigt bleiben, dass die Abnahme von Seh- und Hörkraft sowie der Reaktionsgeschwindigkeit im Alter medizinisch nachgewiesen ist. Viele Senioren könnten dies zwar im normalen Verkehr durch Erfahrung und defensives Verhalten ausgleichen. Doch das gilt nicht für Extremsituationen, wie dem Bericht „Unfälle von Senioren im Straßenverkehr“ des Statistischen Bundesamtes zu entnehmen ist. Auch werden älteren Verkehrsteilnehmern häufiger Vorfahrts- und Abbiegefehler angelastet. Und: Bei etwa 70 Prozent der Unfälle des Jahres 2014, an denen Fahrer über 65 Jahren beteiligt waren, lag das Hauptfehlverhalten bei den Alten.

Und: offenbar scheint auch die ältere Generation für einen „Senioren TÜV“ zu sein: Laut einer Umfrage von NFO Infratest für den SPIEGEL sind 79 Prozent der Befragten, die älter als 60 Jahre sind, dafür, dass sich Senioren regelmäßig prüfen lassen.

Die JU-Ettlingen ist sich bewusst, dass die Mobilität gerade für ältere Menschen ein wichtiges Gut darstellt, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Jedoch darf dies nicht zur Ignoranz altersbedingter Einschränkungen und damit einhergehender erhöhter Gefahr für die Verkehrssicherheit führen.

Vielerlei Dinge angefangen beim Sehvermögen, über körperliche Einschränkungen, hin zu Drogen- und Alkoholeinfluss werden mit gutem Grund im Straßenverkehr überprüft. Meistens mit der Begründnung, dass durch eingeschränkte Fahrtüchtigkeit die Allgemeinheit gefährdet wird. Da die schleichende Verschlechterung von Reaktionsgeschwindigkeit und Auffassungsvermögen im Alter nicht einmal unbedingt wahrgenommen wird, sieht es die JU-Ettlingen daher nicht als diskriminierend an, von älteren Menschen, deren Fahrtüchtigkeit mit zunehmendem Alter „naturbedingt“ abnimmt, einen Nachweis ihrer Fahrtüchtigkeit zu einzuholen. Ein Verweis auf das vorhandene Verantwortungsbewusstsein reicht daher nicht aus, da es verständlicherweise für viele Menschen sehr schwierig ist, den Schritt zu gehen das Auto stehen zu lassen. Viel mehr gilt es Angebote zu erweitern, die auch mobilitätseingeschränkten Menschen weiterhin das gesellschaftliche Leben in vollem Maße erreichbar machen, damit mit der Aufgabe des Führerscheins nicht das Leben in den immer gleichen vier Wänden verbunden ist.

Für einen konstruktiven Meinungsaustausch stehen wir gerade bei solch einem brisanten Thema sehr gerne zur Verfügung.

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